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Hanfbeton (Hempcrete): Dämmung und Wandbau mit einem Material, das CO2 bindet
Hanfbeton – auf Englisch als Hempcrete verbreitet – ist kein Beton im konstruktiven Sinne. Es trägt Lasten nicht, und wer das erwartet, plant an dem Material vorbei. Was es kann: dämmen, Feuchte puffern und während des Kalkbindungsprozesses CO2 dauerhaft im Wandgefüge speichern. Das macht es zu einem interessanten, aber technisch anspruchsvollen Baustoff, der in Deutschland noch selten eingesetzt wird und deshalb klarer Einordnung bedarf. Wir ordnen solche Materialien laufend im Magazin für ökologisches Bauen ein.
Zusammensetzung und Herstellung
Hanfbeton besteht aus drei Komponenten: Hanfschäben (dem holzigen Kernmaterial des Hanfstängels), einem Bindemittel auf Kalkbasis und Wasser. Das Mischungsverhältnis variiert je nach Anwendung. Für Wandfüllungen ohne Putz werden typischerweise Mischungen mit einem höheren Schäbenanteil (Volumen ca. 3:1 bis 4:1 Schäben zu Bindemittel) verwendet, für Putzträger-Anwendungen etwas festere Mischungen.
Die Hanfschäben stammen aus der industriellen Faserhanfverarbeitung (Cannabis sativa, Thüringen und Frankreich gehören zu den europäischen Hauptanbaugebieten). Das Bindemittel ist kein Portland-Zement — der würde die Schäben angreifen — sondern hydraulischer Kalk (NHL) oder speziell entwickelte Kalk-Puzzolan-Bindemittel. Diese binden langsamer als Zement, sind aber diffusionsoffen und chemisch verträglich mit dem Pflanzenmaterial.
Die Rohdichte im ausgehärteten Zustand liegt je nach Mischung zwischen 250 und 450 kg/m³, bei Standardmischungen für Außenwände typischerweise um 300 kg/m³.
Wärmetechnische Kennwerte
Die Wärmeleitfähigkeit (Lambda) von Hanfbeton liegt nach aktuellen Messwerten zwischen 0,06 und 0,11 W/(mK), typische Praxiswerte für 300 kg/m³-Mischungen bei ca. 0,08 bis 0,09 W/(mK). Damit ist Hanfbeton kein Hochleistungsdämmstoff — Mineralwolle (0,032 bis 0,040 W/(mK)) oder Holzfaser (0,038 bis 0,050 W/(mK)) dämmen bei gleicher Dicke deutlich besser.
Für eine 300 mm starke Hanfbetonwand ergibt sich ein U-Wert von ca. 0,25 bis 0,30 W/(m²K) — das liegt knapp an der GEG-Anforderung für Außenwände (0,24 W/(m²K) als Referenzwert). Für KfW-Effizienzhaus-55-Anforderungen (U-Wand ≤ 0,20 W/(m²K)) wäre eine Wandstärke von mindestens 400 bis 450 mm erforderlich, was bei Bestandssanierungen kaum realisierbar ist und im Neubau zu erheblichem Flächenverlust führt.
Die Stärke liegt woanders: Hanfbeton ist ein Phasenverschiebungs-Dämmstoff. Seine spezifische Wärmekapazität liegt bei ca. 1.500 bis 1.700 J/(kgK) — deutlich über mineralischen Dämmstoffen. Das führt zu einer zeitlichen Verzögerung der Wärmedurchdringung (Zeitkonstante), die im Sommer zur natürlichen Kühlung beiträgt.
Feuchteregulierung und Raumklima
Der wichtigste Vorteil von Hanfbeton ist sein Feuchtemanagement. Das Material ist stark diffusionsoffen (sd-Wert < 0,1 m) und kapillaraktiv. Es nimmt Raumluftfeuchte auf und gibt sie zeitversetzt wieder ab, ohne dauerhaft zu versagen oder zu schimmeln — vorausgesetzt, es wird korrekt eingebaut ohne dampfbremsende Schichten innen.
Dieser Eigenschaft verdankt Hanfbeton seinen Ruf als "atmendes Wandsystem". In der Bauphysik ist korrekter: Es reguliert den Feuchtestrom passiv. Das erfordert auf der Innenseite Lehmputz oder hydraulischen Kalkputz ohne Kunststoffzusätze — Gipsputz oder Dispersionsinnenfarbe würden die Dampfdurchlässigkeit unterbinden.
Das Schimmelrisiko ist bei korrekter Konstruktion gering: Kalk hat einen hohen pH-Wert (> 12) und wirkt damit fungizid. Gleichzeitig verträgt Hanfbeton keine stehende Nässe — ein Spritzwasserschutz an der Außenseite ist Pflicht.
CO2-Bilanz: Was tatsächlich gebunden wird
Die CO2-Speicherung in Hanfbeton läuft über zwei Mechanismen: die Photosynthese während des Pflanzenwachstums (Hanf bindet während der Vegetationsperiode von ca. 100 Tagen ca. 8 bis 15 t CO2/ha) und die Karbonatisierung des Kalkbindemittels nach dem Einbau, bei der CO2 aus der Luft dauerhaft als Calciumcarbonat gebunden wird.